Die Nashörner

Eugène Ionesco

Plakat Die Nashörner

Aufführungen

Do. den 30.01.1997 um 20:00 Uhr

Fr. den 31.01.1997 um 20:00 Uhr

Sa. den 01.02.1997 um 20:00 Uhr

Eintritt: 8.00 DM (ermäßigt 5.00 DM)
Studentenwohnheim Heiglhof
Heiglhofstr. 64
81377 München - Großhardern

Zum Inhalt

Vor der Haustür - in „unserer“ Heiglhoftstraße - taucht während eines friedlichen Sonntagmorgens ein Nashorn auf und erschreckt das gewöhnliche Leben in Großhadern. Nachdem dasselbe (oder ein zweites) Nashorn bei seinem Lauf auch noch die Katze einer einfachen Hausfrau zertrampelt, regt sich Protest und Empörung unter den Mitbürgern - gemischt mit Ohnmacht und Furcht. Man versucht dieses Phänomen zu (er)klären, die Gesetze der Logik scheinen eine Lösung zu ermöglichen. Die Bewohner befriedigt diese jedoch nicht. „Wir können nicht zulassen, daß unsere Katzen zertreten werden.“

Überall, so etwa in einem juristischen Verlagshaus, wird geschwätzig über die Nashorngeschichte diskutiert - der Keim der Anpassung ist zu spüren. Wisser, „Anti-Rassist“ voller Vorurteile, hält die Nashornfrage für eine „Massenpsychose“. Sein Festhalten an Klischees, sein eisernes Bestehen auf einer von ihm vorgelebten Ordnung lassen ihn relativ schnell zum Nashorn werden. Der Akademiker Stech versucht, die Entwicklung mit einer gewissen Distanz, mit Humor zu sehen - seine Selbstverliebtheit, Fatalismus und vernunftgeprägte Anpassungsfähigkeit machen ihn jedoch zum Mitläufer.

Hans, der exakte Mensch mit klaren Prinzipien und festem Weltbild, wird auch zum Nashorn; er begreift die „Vernashornung“ als Zeichen der Zeit, als „Rückkehr zur ursprünglichen Einheit“, zur Natur. „Das Humane ist überholt“.

Daisy, die von Behringer favorisierte Sekretärin, zerreißt die zarten Bande der Liebe indem sie sich den „singenden“ Nashörnern zuwendet - und Behringer verläßt.

Einzig der trinkfreudige, unsichere und nachdenkliche Behringer, ein unintellektueller Jedermann, verweigert sich dem Opportunismus bzw. der Ansteckungskraft des Bösen und steht am Ende „gegen alle Welt“.

Wird er dem Konformismus (auf lange Sicht) widerstehen?

Zum Autor

E. Ionesco (1912 - 1994) wandte sich in seinen Stücken gegen jegliche politischideologische Massenvergiftung; den Konformismus versuchte er zu bekämpfen - ausgehend von eigenen Erfahrungen in Rumänien bzw. dem Verhalten seines Vaters. Den epidemischen Fanatismus prangerte er häufig an, so auch in dieser Tierfabel, und stellte sich auf die Seite der allseits verachteten Kleinbürger - ein „konservativer Autor, avantgardistisch nur im Formalen“ (Hensel). Als wichtiger Vertreter des „ABSURDEN THEATERS“ lag Ionesco vor allem die Groteske, das parodistische Spiel zur Umsetzung seiner Vorstellungen.